




our.house-Vorstadtwerkstadt – Wie geht Zukunft im Einfamilienhaus?
Symposium | 18. – 19. Juni 2026
our.house-Vorstadtwerkstadt – Wie geht Zukunft im Einfamilienhaus?
Weitgehend unsanierte Gebäudegenerationen, hoher innerer Leerstand, ökologische Fußabdrücke, die kaum zur Klimarealität passen – und zugleich: die beliebteste Wohnform, rund 16 Millionen Einfamilienhäuser, die vielversprechende Möglichkeiten der Transformation in sich tragen. Die Relevanz und die Potentiale des Themas sind bekannt. Was fehlt, sind spezifische Forschungsmethoden für die eigenen Räume der Vorstadt, um deren Wohnformen und Gebäudebestände zu verstehen, zu beforschen und weiterzudenken. Die Vorstadtwerkstatt geht auf die Suche nach diesen wissenschaftlichen Methoden und Werkzeigen.
In vier thematischen Blöcken nähern wir uns dem EFH-Bestand aus unterschiedlichen Blickwinkeln:
Lebensräume. Wohnen im EFH erforschen
Das eigene Wohnen ist persönlich – besonders im Einfamilienhaus. Verquickt mit der eigenen Biografie, emotional aufgeladen, geprägt von gesellschaftlichen Bildern und Erwartungen. Wir blicken auf das einzelne Haus und auf das Quartier: Wie lassen sich sozialwissenschaftliche Methoden für diesen Kontext weiterentwickeln? Wie können wir alltägliche Nutzungsmuster und Wohnbiografien in ihrem Bezug zum gebauten Raum erforschen und Veränderungspotentiale herausarbeiten?
Ein Toskanahaus – das wäre schön. (Stil-)Typen im EFH
Wie sieht „das“ Einfamilienhaus aus – und weshalb sieht es so aus? Eine Frage des
persönlichen Geschmacks? Der Mode? Der (Pop-)Kultur? Welche Räume, welche
Orientierungen, welche Zimmeranordnungen enthält ein EFH – und wie werden sie
entschieden? Welche architekturhistorischen und kulturwissenschaftlichen Bezüge lassen sich herstellen? Was ist im Grundriss eingeschlossen, was ausgeschlossen? Und: Wie könnten sich diese Bilder wandeln und zur Grundlage eines klugen Weiterbauens werden?
Nicht nur dämmen: Wie das EFH als Gebäude, im Quartier
und in der Nutzung klimaneutral wird
Wärmepumpe, PV, Dämmung – die Optionen sind bekannt, die Wirklichkeit im EFH-Bestand komplexer: unterschiedliche Ressourcen der Eigentümer*innen, heterogene Gebäudezustände und regulatorische Grenzen am Einzelgebäude. Diese Vielfalt erschwert die Entwicklung übertragbarer Strategien für einen zukunftsfähigen und klimaneutralen Bestand. Vor diesem Hintergrund rückt das Zusammenspiel von Gebäude, Quartier und Nutzung in den Fokus – von energetischer Sanierung über Wärmewende und Sektorkopplung bis hin zu neuen Wohnformen. Ziel ist es, Wissensbestände zu integrieren, methodische Ansätze weiterzuentwickeln und interdisziplinär zu verknüpfen, um Effizienz, Konsistenz und Suffizienz gemeinsam zu adressieren und tragfähige Transformationspfade zu entwickeln.
Kleine Häuser, große Fragen:
Von Skalierung und Wiederverwendung
Die Anziehungskraft des Einfamilienhauses liegt für viele in seiner Individualität und
kleinteiligen Struktur – genau das macht systematische Transformationsansätze besonders herausfordernd. Wie kommt man an Daten? Wie lassen sich Strategien für bauliche Anpassung und Nachverdichtung übertragbar machen und skalieren? Welche Rolle kann vor diesem Hintergrund der enorme Ressourcenvorrat im Bestand für eine ökologische Transformation spielen?

SUBURBIA. Träume vom Eigenheim – Wege aus der Wohnungskrise
Ausstellung | 21. März – 18. Oktober 2026
Deutsches Architekturmuseum (DAM)
Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt am Main
Kuratorisches Team
Jorun Jensen (DAM)
Valerie Kronauer (TUM)
Jan Engelke (TUM)
Rosanna Umbach (MSI)
Der »American Way of Life« hat sein Ideal vom Einfamilienhaus in der Vorstadt international verbreitet. Mit saftigem Rasen, blauem Pool und Doppelgarage inszeniert es die Vorteile des Lebens im Speckgürtel der Großstadt. Ein vermeintlich perfekter Ort, um die Kinder großzuziehen: grün, friedlich, ruhig und sicher. Das Einfamilienhaus ist die dort verbreitetste Wohnform und der architektonische Inbegriff der US-amerikanischen Lebensweise. Es spielt kaum eine Rolle, dass die Vorstädte von homogenen Gruppen bewohnt werden, von ständigem Autofahren abhängig sind, gesellschaftliche Ungleichheiten verstärken und Privilegien schützen. Der Traum der amerikanischen Suburbs ist wirkmächtig. Obwohl er immer wieder kritisiert wurde, wird er durch die aktuelle US-Politik wieder verstärkt.
Jahrzehntelang wirkten diese Wohnträume in Film, Literatur, Fernsehen und Werbung gleichermaßen faszinierend und befremdlich. Auch in Deutschland lebt etwa die Hälfte der Menschen im Eigenheim. Suburbia taucht ein in die (Bild-)Welten der US-amerikanischen Vorstadt und erzählt parallel eine Geschichte des Einfamilienhaus-Booms der deutschen Wirtschaftswunder-Jahre anhand der Zeitschrift Schöner Wohnen. Eine Bibliothek der Hefte der 1960er- und 1970er-Jahre lädt ein zum Blättern durch die Wohnwelten der bundesdeutschen Nachkriegszeit, ihre politischen Hintergründe, Familienideologien und Konsumwelten.
Doch vor dem Hintergrund von Wohnraummangel, Klimakrise und alternder Gesellschaft steht das Versprechen von Freiheit und Wohlstand in den Vorstädten in Frage. Wie sieht also die Zukunft des Einfamilienhauses aus? Häufig nur von ein oder zwei Personen bewohnt, birgt der Bestand ein enormes Potenzial. Durch Weiterbauen statt Abriss und kluge Transformation schlummert im Einfamilienhaus-bestand ein Ausweg aus der Wohnungskrise: Durch energetische Sanierung und gezielte Erweiterung der Wohnfläche könnte auch im Umfeld von Frankfurt am Main erheblicher und bitter benötigter neuer Wohnraum entstehen.
Suburbia ist eine Ausstellung vom Centre de Cultura Contemporània de Barcelona (CCCB) und dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Kooperation mit dem Forschungscluster our.house der TU München sowie mit einem Beitrag des Forschungsfeldes wohnen+/-ausstellen, Mariann Steegmann Institut, Kunst & Gender, Bremen.

diversEFH
Systematische Diversifizierung von EFH-Gebieten als Beitrag zur nachhaltigen Quartiersentwicklung
Der Gebäudebestand in Deutschland ist stark durch Einfamilienhäuser (EFH) geprägt. Diese Wohnform ist ressourcenintensiv, häufig unterbelegt und mit sozialen sowie energetischen Herausforderungen verbunden. Auf Quartiersebene liegt ein wesentliches Problem in mangelnden Angeboten alltäglicher Bedarfe und in der Berücksichtigung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen – insbesondere im Hinblick auf Alter, Einkommen und Lebensstile.
Ziel des Projekts durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projektes ist die Entwicklung skalierbarer Strategien zur ökologischen, sozialen und funktionalen Transformation bestehender EFH-Quartiere. Im Mittelpunkt steht dabei die programmatische Vielfalt auf Quartiersebene mit besonderem Fokus auf weitverbreitete, standardisierte Fertighäuser.
Gegenstand des Forschungsprojekts ist die Musterhaus-Ausstellung in Fellbach mit 55 bestehenden Musterhäusern verschiedener Typologien, Bauweisen und Hersteller, die Teil des Projektgebietes der IBA’27 ist.
Das Forschungsprojekts verbindet städtebauliche, architektonisch-typologische, konstruktive und energiebezogene Ansätze, um bestehende EFH-Gebiete mit diversen Nutzungen anzureichern. Entwickelt werden übertragbare Strategien für multicodierbare, kleinmaßstäbliche Um- und Anbauten, durch die bestehende EFH um flexible Räume ergänzt werden, die neue Wohnformen (z. B. Mehrgenerationenwohnen), soziale, gewerbliche oder gemeinschaftliche Nutzungen ermöglichen. Ziel ist eine nachhaltige Nachverdichtung, energetische Ertüchtigung und sozial-räumliche Stärkung des Bestands.

Resiliente Einfamilienhäuser
Umbaustrategien zur Steigerung der Nutzungs- und Klimaresilienz von Einfamilienhaussiedlungen
Masterarbeit von Nora Blattmann
Betreut von Jan Engelke / Prof. Benedikt Boucsein & Christian Hepf / Prof. Thomas Auer, UD+GKB 2025
Die Forschungsarbeit entwickelt Umbaustrategien zur Steigerung der Nutzungs- und Klimaresilienz von Einfamilienhaussiedlungen aus den 1950er bis 1970er Jahren, mit Fokus auf verdichtete Typologien wie Reihen- und Doppelhäusern. Ziel ist es, den Bestand an zukünftige klimatische und gesellschaftliche Anforderungen anzupassen und zugleich flexibel für kommende Veränderungen zu halten. Im Zentrum steht die Verknüpfung ökologischer, architektonischer und sozialer Aspekte, um Synergien nutzbar zu machen. Besonderes Augenmerk gilt der niedrigschwelligen Aktivierung inneren Leerstands.

Energiebonus Südtirol
Masterthesis von Raphael Großmann
Betreut von Valerie Kronauer, EUD 2024
Welche geeigneten Förderinstrumente existieren, um einen Anreiz bei Eigentümern zu schaffen, ihre Immobilien zu transformieren? Mit der Südtiroler Förderstrategie Energiebonus (seit 2009) können bestehende Wohngebäude im Zuge einer energetischen Sanierung erweitert werden. Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Förderstrategie auf den lokalen Einfamilienhausbestand und wie sich diese Strategie auf bayerische Einfamilienhausquartiere übertragen lässt.

Die eigenen vier Wände
Schöner Wohnen im Wirtschaftswunder 1960-1974
Dissertation von Jan Engelke
Betreut von Prof. Benedikt Boucsein und Prof. Hans-Rudolf Meier, UD 2023
Die Arbeitet betrachtet die Wohnzeitschrift Schöner Wohnen als populäre Architekturzeitschrift und untersucht ausgehend von medialen Repräsentationen des Eigenheims in der Zeitschrift Schöner Wohnen, wie die Bedingungen der Architekturproduktion in der bundesdeutschen Nachkriegszeit die Architektur der Eigenheime prägten und dieser Wohnform zu einer bis heute fortgeschriebenen Erfolgsgeschichte verhalfen.

The future of the single-family house
Potentials and challenges of densification in single-family house neighborhoods for sustainable living
Masterthesis von Leonie Kratzner
Betreut von Bilge Kobas und Prof. Thomas Auer, GKB 2023
Die Arbeitet untersucht die Zukunft der Einfamilienhäuser am Beispiel der Heimag Siedlung in München und beleuchtet die Möglichkeiten der Umnutzung und Verdichtung bestehender Einfamilienhausgebiete zur Schaffung von neuem Wohnraum. Dabei wurden soziale, ökonomische, rechtliche und stadtgestalterische Aspekte kombiniert. Eine detaillierte Analyse der Heimag Siedlung sowie Umfragen unter Hausbesitzer.innen, führten zur Entwicklung eines Masterplans und architektonischer Lösungen für eine modulare Umgestaltung.